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    FORMOsA

    Intensive Diskussionen zur Definition und Diagnostik der Sarkopenie bei der Tagung Knochen und Muskel – Neue Welten

    Am 15. Und 16. November fand auf der Festung in Würzburg die mittlerweile traditionell zwischen Berlin und Würzburg als Veranstaltungsort wechselnde Tagung „Knochen und Muskel – Neue Welten“ statt. Die durchweg hoch interessierten TeilnehmerInnen konnten ein hochkarätig besetztes Programm verfolgen und diskutierten intensiv über die Herausforderungen der Zukunft in Bezug auf Diagnostik und Therapie des Alters-assoziierten Muskelschwunds, der Sarkopenie.



    Chronische Entzündung beschleunigt Gewebealterung

    Im ersten Teil wurden Prozesse der Alterung in verschiedenen Organsystemen dargestellt, so die Alterung des Knochens und die damit assoziierte Einschränkung der Heilungskapazität z.B. bei Frakturen durch Prof. Dr. Georg Duda aus der Charité in Berlin. Ausgehend von Ergebnissen in Tiermodellen muss man tatsächlich annehmen, dass die Heilungskapazität im Alter wesentlich eingeschränkt ist und dass sich dies auf den Menschen übertragen lässt, auch wenn Studien über Frakturheilung im Alter schwierig durchzuführen sind wegen der Heterogenität der individuellen Situation und der Begleiterkrankungen. Die Degeneration der Muskulatur, die bei einem hohen Prozentsatz älterer Menschen vorhanden ist, verursacht dabei wesentlich die Beeinträchtigung der Heilung und der Rehabilitation, wie Dr. Runge aus Esslingen darlegte. Auch wenn wir durch unsere sitzende Lebensweise sehr viel dazu beitragen, dass die Muskulatur nicht nur degeneriert sondern auch atrophiert, aufgrund der fehlenden Nutzung abbaut, gibt es einen Anteil beim Muskelschwund, der individuell nur eingeschränkt beeinflussbar scheint. Aber auch hier sind Forscher auf der Spur der Ursachen, wie z.B. der chronisch entzündlichen Konstellation, die zur Alterung sehr viel beiträgt. Diese Tatsache hat zum Begriff des „Inflammaging“ geführt, der diese Zusammenhänge in einem Wort darstellt. Dabei sind die Prinzipien degenerativer Alters-assoziierter Erkrankungen in verschiedenen Körpergeweben sehr ähnlich. Referate über die Pathogenese der Atherosklerose von Herrn Prof. M. Schoppet aus Marburg und zu degenerativen Erkrankungen des Nervensystems durch Prof. F. Heppner aus Berlin zeigten Gemeinsamkeiten der Mechanismen der Gewebealterung im Gefäßsystem und im Nervensystem auf. Prof. Franz Jakob aus Würzburg legte in einem übergreifenden Referat dar, dass die molekularen Mechanismen chronischer Entzündung dazu führen, dass Zellen seneszent werden. Wenn diese Vorgänge auch die regenerativen Zellen wie Stammzellen betreffen, resultiert hieraus eine deutliche Einschränkung der Regenerations- und Heilungs-Kapazität. Dass dies nicht schicksalhaft so ablaufen muss, wurde in der Diskussion deutlich. Chronisch entzündliche Konstellationen werden durch Mangel an Vitamin D, durch endokrin aktives Fettgewebe, durch unterliegende entzündliche Erkrankungen wie Rheuma und durch Immobilisation und Genussmittel wie Nikotin unterhalten. Eine grundlegende Umstellung von Lebensgewohnheiten wäre somit zumindest ein guter Beginn, gegen frühzeitiges Altern anzugehen. Hierbei gibt es vielfältige Zusammenhänge zwischen körperlicher Bewegung und geistiger Fitness und einem gesunden Herz-Kreislauf-System.


    Für die Diagnostik und Therapie des Muskelschwunds ist Forschungsarbeit angesagt


    Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutierten die Forscher über die Möglichkeiten der Diagnostik des Muskelschwunds mittels bildgebender Verfahren und mit funktionellen Messverfahren. Es wurde sehr schnell klar, dass noch enormer Forschungsbedarf besteht, um herauszufinden, welche Verfahren die höchste Wertigkeit zur Vorhersage und Diagnose einerseits und das größte Potential zur bevölkerungsweiten Anwendung andererseits bieten. Netzwerkforschung zu dieser Problematik ist somit dringend geboten. Sowohl der Bayerische Verbund FORMOsA als auch europäische Initiativen arbeiten zu diesem Thema. Das kommende Forschungsprogramm der EU 2020 wird zum Thema „Gesundes Altern“ eine ganze Reihe von Ausschreibungen zur Finanzierung von Forschungsprojekten anbieten.


    Aufklärung und Versorgung seltener Erkrankungen hilft allen

    Im letzten Teil der Veranstaltung wurden seltene Erkrankungen wie die Hypophosphatasie, die Osteogenesis Imperfecta und die Fibröse Dysplasie diskutiert. Es wurde klar, dass die Aufklärung der Mechanismen bei Seltenen Erkrankungen einen hohen Erkenntniswert für die Versorgung von Volkskrankheiten haben kann. Umgekehrt werden Behandlungsprinzipien der Volkskrankheiten immer häufiger auch bei seltenen Erkrankungen angewandt. Das bereits in der Fernsehsendung zur Osteogenesis Imperfecta angesprochene Thema wurde von Herrn Dr. Oliver Semler erneut überzeugend dargestellt.

    Insgesamt waren sich am Ende alle Teilnehmer und auch die unterstützende Industrie darüber einig, dass diese Veranstaltung alle ein Stück weitergebracht hat und Kompetenz auf dem Weg zu zukünftigen Herausforderungen vermittelt hat. Es sei an dieser Stelle auch von Seiten der Veranstalter ein Dank an alle Teilnehmer und Sponsoren ausgesprochen.